Diarrhoe/(Reise-)Durchfall


Wer häufiger in den Süden fährt, hat die Bekanntschaft mit Montezumas Rache sicher schon gemacht. Der Durchfall oder die Diarrhoe, wie es in der medizinischen Fachsprache heißt, ist die mit Abstand häufigste Reiseerkrankung.

Je nach Reiseziel und Reiseart erwischt es zwischen 10 und 70 Prozent aller Reisenden pro Monat Auslandsaufenthalt, weiß das Robert-Koch-Institut (RKI) zu berichten.

Ein Grummeln im Bauch, dünner Stuhl und schon ist es Durchfall? - Keineswegs! Ärzte sprechen erst dann von einer Diarrhoe, wenn jemand mehr als drei Mal am Tag Stuhlgang hat, der ungeformt, also breiig bis wässrig ist. Durchfall kann akut auftreten oder chronisch sein. Akuter Durchfall wird häufig von Übelkeit, Fieber und Bauchschmerzen begleitet. Als chronisch gilt eine Diarrhoe, wenn sie 3 Wochen und länger andauert.


Ursachen

Akuter Durchfall ggf. mit Übelkeit, Fieber und Bauchschmerzen, der so auf Reisen oft vorkommt, ist meistens eine Schutzreaktion des Körpers: Krankheitserreger oder Gifte sollen auf diese Art so schnell wie möglich ausgeschieden werden.

Ursache für den klassischen Reisedurchfall sind meistens Bakterien. In rund 40 Prozent aller Fälle lösen ihn so genannte Kolibakterien aus. Sie gelangen durch fäkal verunreinigte Nahrungsmittel oder Getränke in den Körper, aber auch durch unzureichende Hygiene der Betroffenen, z.B. im Umgang mit Lebensmitteln oder beim "provisorischen" Händewaschen nach dem Toilettengang.

Normalerweise dauern Durchfälle, die von Kolibakterien verursacht werden, 3 bis 5 Tage. Sie sind gelegentlich von Übelkeit und Erbrechen begleitet.


10 Regeln gegen Diarrhoe

Nach wie vor gilt die alte internationale Grundregel: Cook it, peel it or forget it! Also: kochen, schälen oder verzichten! Das kann zumindest das Risiko verringern. Leider weiß man heute auch, dass diese Regel in der schönen Urlaubssituation nur schwer einzuhalten ist.

Trotzdem hier noch einmal die 10 Gebote der Reisenden:

  1. AufzählungszeichenTrinken Sie möglichst nur in Flaschen oder Dosen abgefülltes Mineralwasser oder industriell hergestellte Getränke.

  2. AufzählungszeichenTrinken Sie Wasser ansonsten nur, wenn es zuvor gekocht, (mit Chlor, Silber) desinfiziert oder gefiltert wurde.

  3. AufzählungszeichenKein Problem sind in aller Regel: heißer Tee oder Kaffee und fabrikmäßig abgefüllte Getränke.

  4. AufzählungszeichenVerzichten Sie auf Eiswürfel, wenn Sie nicht sicher sind, dass das für die Herstellung benutzte Wasser und die Eisschale keimfrei waren.

  5. AufzählungszeichenEssen Sie nur Speisen, die gekocht oder durchgebraten sind und noch heiß serviert werden.

  6. AufzählungszeichenEssen Sie niemals aufgewärmte Speisen, z.B. Reste vom Vortag.

  7. AufzählungszeichenVermeiden Sie rohe oder halbgare Meeresfrüchte (Muscheln, Krabben, Krebse, etc.).

  8. AufzählungszeichenVermeiden Sie unbedingt alle Arten roher Speisen! Einzige Ausnahme: Obst und Gemüse, das Sie selbst geschält haben.

  9. AufzählungszeichenTrinken Sie nur pasteurisierte Milch oder kochen Sie die Milch vor dem Trinken ab.

  10. AufzählungszeichenVerzichten Sie auf Kostproben von Imbiss-Ständen oder Garküchen. Wenn die Versuchung zu stark ist, lassen Sie sich das Essen vor Ihren Augen zubereiten und achten Sie darauf, dass das Gericht keine ungekochten Beilagen enthält.


Behandlung

Da der Durchfall eine "gesunde" Abwehrreaktion des Körpers darstellt, ist es nicht das erste Ziel, den Durchfall zu stoppen.

Vielmehr beschränkt man sich in der Regel auf symptomatische Maßnahmen. Diese bestehen in erster Linie im Ersatz der Flüssigkeits- und Salzverluste, die durch das Erbrechen und den Durchfall entstehen.

Idealerweise bietet man den Erkrankten dafür Lösungen mit einem Traubenzucker-Salz-Gemisch an. Hierzu gibt es diverse standardisierte Pulver, die mit Tee oder abgekochtem Wasser, zum Teil auch in Coca Cola gelöst werden können.

Gelingt das Wiederauffüllen des Flüssigkeitshaushaltes ("Rehydratation") auf diese Weise nicht, muss vor allem bei Kindern, da sie besonders von einer Austrocknung bedroht sind, ggf. auch eine Infusion erfolgen.

Bei Kindern ist es besonders wichtig, dass häufig und regelmäßig Flüssigkeit angeboten wird.

Es gibt keine Tee- oder Nahrungspausen mehr.

Ein vorsichtiger Kostaufbau von Anfang an kann die Erholung der zerstörten Darmschleimhaut fördern und sollte in Form von leicht verdaulichen Kohlenhydraten (Zwieback, Salzstangen, Weißbrot o.Ä.) von Beginn an versucht werden.


Vorsicht bei bestimmten Medikamenten

In jüngerer Zeit legen immer mehr Studien nahe, dass auch so genannte Probiotika die Durchfalldauer verkürzen können. Dabei handelt es sich um Bakterienstämme (Laktobazillus bifidus), die in der natürlichen Darmbesiedlung vorkommen und in Kapselform als vermehrungsfähige Sporen oder als Zusatz einer fertigen Rehydratationslösung verabreicht werden können. Als unterstützende symptomatische Maßnahmen können Medikamente eingesetzt werden, die das Erbrechen hemmen (Antiemetika) oder die Darmtätigkeit verändern (Opiate, z.B. Loperamid) bzw. lähmen (Parasympatholytika, z.B. Butylscopolamin).

Hier müssen allerdings die möglichen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen beachtet und das Risiko sorgfältig gegen den möglichen Nutzen abgewogen werden. Bei zahlreichen internistischen und/oder neurologischen Grunderkrankungen sind diese Medikamente kontraindiziert, das heißt: für die betreffenden Patienten verboten.

Eine Behandlung mit Antibiotika ist auch bei Nachweis von Bakterien als verursachendem Erreger nur in Ausnahmefällen mit septischem Verlauf in Erwägung zu ziehen.

Bitte sprechen Sie Ihre Reise und den Inhalt Ihrer Reiseapotheke mit Ihrem behandelnden Arzt ab.


(Quellen: u.a. CRM, RKI)



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